Freitag, 11. Juni 2010

William Wallace is seven feet tall!Yes,I've heard.Kills men by the hundreds,and if he were here he'd consume the English with fireballs from his arse.









Nach der wunderschönen Fahrt durch den Central Belt mit all seinen hügeligen Wiesenlandschaften, üppigen Eichen, darunter weidenden Schaf- und Ziegenherden und verstreuten Felsen – eine Landschaft, als wäre sie direkt einem barocken Gemälde entsprungen – kamen wir in den Highlands und damit in raueren Gefilden an. Auf dem obligatorischen Weg zum Loch Ness konnten wir ungewöhnliche Bergpanoramen bestaunen und die Weite und Einsamkeit des nördlichen Schottlands.

Das Loch Ness – der zweitgrößte der schottischen Süßwasserseen, der vermutlich ein Überrest des Meeres ist – mit einer Tiefe von 230m war beeindruckend und die darüber hängenden Nebelschwaden trugen das ihre zur geheimnisvollen Aura dieses Ortes bei. Nessie war jedoch keine zu sehen, stattdessen die ausgestellte Ausschlachtung eines Mythos. Skulpturen des freundlichen Meeresmonsters untermauerten stillschweigend den Bedarf eines Nessie-Restaurants, -Hotels, -Museums, und wie bei vielen Touristenattraktionen, die eigentlich gar keine sind, war es fast so als bedürfe dieses Dorf der Legitimation durch dieses Fabelwesen, welches an einem ähnlich nebligen Tag der Fantasie eines kreativen Schotten entsprungen sein mag. Wir blieben die Nacht über in Inverness, einem Dorf an der Mündung des Lochs. Die vielen, für angelsächsische Länder ungewöhnlichen, Bezeichnungen entspringen dem Gälischen, einer aussterbenden und äußerst poetischen, keltischen Sprache.

Am nächsten Tag fuhren wir Richtung Isle of Skye, der größten Insel der inneren Hebriden im Nordwesten Schottlands, auf der noch ca. 30 Prozent der Bevölkerung Gälisch sprechen. Auf halber Strecke, übernachteten wir in der unendlichen Einsamkeit und machten unsere erste Bekanntschaft mit einem der am besten gehüteten Geheimnisse Schottlands: der Highland Midge; einer Mückenart so mikroskopisch klein, dass man sie zuerst milde lächelnd als „Fliegerl“ abtut, nur um nach einem halbminütigen Aufenthalt außerhalb des Autos, geschockt vor den äußerst aggressiven und in Schwärmen angreifenden Blutsaugern zu fliehen. Aufgrund ihrer Winzigkeit sind sie natürlich auch im Auto und überhaupt anscheinend überall und nur die exzessive Anwendung eines Giftes, dessen Namen ich hier nicht nennen möchte, konnte dem Grauen Abhilfe verschaffen.

Am nächsten Tag herrschte schottisches Bilderbuchwetter, meint Regen, doch trotzdem wagten wir einen kleinen Spaziergang durch die moorige Heide. In einem kleinen Felsplattensee entdeckte ich winzige Grottenolme, die süßesten Tierchen der Welt, eine Mischung aus Fisch und Frosch, ca. 3 cm lang und unzählige davon. Danach ging es weiter zur Insel, welche jede Reise wert ist. Das ohnehin spärlich besiedelte Land, erhebt sich hier zu einer Sinfonie aus Wildnis und Anmut, die einen staunend verstummen lässt. Meeresarme ragen ins Inselinnere, gesäumt von riesigen Wasserpflanzenteppichen und unzähligen Wiesenblumen. Immer wieder queren einzelgängerische Schafe und Widder die Straße, im Norden ragen Steilküsten ins stürmische schäumende Meer und das alles umgeben von einer Bergkulisse, die aussieht wie die kitschige Landschaftstapete in einer Plattenbau-Wohnung, nur eben in diesem Fall beeindruckend echt.

Hier campten wir ein paar Tage. Die Nächte in Schottland sind kühl, regnerisch und sehr windig und am frühen Morgen (also nach unserer Zeitrechnung um 10h J ) ist es meist neblig und düster, bis die Wolken kurz vor Mittag aufbrechen und der strahlenden Sonne den Weg räumen. Die Nächte sind außerdem auch lang, da hell. Richtig dunkel wird es kaum und um 4h morgens herrscht bereits Tageslicht. In der dämmrigen Dunkelheit der Mitternacht verließen wir die Insel - am Horizont die blauvioletten Streifen eines schon etwas verausgabten Sonnenuntergangs. Die Ufer lagen wie pechschwarze Flügel im silberschimmernden Meer. Ein gebührender Abschied. Wieder am Festland führte der Weg durch Wald und Wiesen und plötzlich kreuzte mitten auf der Straße eine Hirschfamilie unseren Weg, kleines Bambi inklusive. So ging es dann eine Stunde lang dahin. Nach jeder Kurve eine ganze Gruppe dieser wunderschönen, verblüffend großen Tiere. Angestrengt vom konzentrierten Fahren blieben wir am Rand der Straße stehen, um zu schlafen.

Irgendwie sind wir inzwischen ein bisschen erschöpft vom vielen Reisen, weshalb wir beschlossen haben ein paar Tage zu pausieren, bevor wir nach Glasgow und damit der letzten Station in Schottland aufbrechen. Hier im Siedekreis des Loch Ness ist ein Naturschutzgebiet mit zahlreichen Wanderwegen. Neben einem kleinen Flüsschen – dem Arm des Loch Lochy (wie kreativ) - und der Ruine eines mittelalterlichen Schlosses, haben wir einen ruhigen Stellplatz gefunden, werden ein paar Tage bleiben, uns am Flussufer ausruhen und den Ben Nevis besteigen.


Das war unser Plan, denn nach der brennenden Hitze des gestrigen Tages war ich sicher, dass weitere Sonnentage folgen würden. Dem ist nicht so, die Launenhaftigkeit des schottischen Wetters ist nicht zu unterschätzen und heute zeigt sich der Himmel düster wie eh und je. Deswegen sind wir nun doch vorzeitig aufgebrochen und fahren gerade weiter nach Stirling, einer Stadt kurz vor Glasgow.



Nachdem wir 2 Tage in Edinburgh verbracht hatten, verließen wir die Haupstadt und fuhren weiter durch den Central Belt nach Criff. Dort besichtigten wir die älteste Whisky-Destillerie Schottlands. The Famous Grous - eine im Vergleich sehr kleine Brennerei. Wir lernten die verschiedenen Gärungs- und Destillationsprozesse kennen und kosteten zwei der Endprodukte. Begeistert von den verschiedenen Sorten und Geschmäckern entschieden wir uns einen 12 Jahre alten Whisky zu gönnen und beschlossen uns nie wieder einen Fusel a la Jack Daniels & Co anzutun.

Sonntag, 6. Juni 2010

Edinburgh: Eine Reise in die Vergangenheit









18 Jhd., Marie Kings Street. Ungefähr 5 Meter unter dem Boden eines mehrstöckigen Mietshauses verläuft ein riesiges Straßennetz - die Heimat vieler Arbeiter und Obdachloser in Edinburgh. Vollkommene Dunkelheit, nur vereinzelte Fackeln bieten den Händlern der Straße Licht.Die Einzimmerwohnungen waren für mehrere Familien gedacht, in der Ecke ein Kübel und eine Kochstelle. Im nächsten Raum wurde ein kleiner Stall eingerichtet.

Wir verlassen die unterirdische Stadt und sind wieder im 21. Jhd.. Das Licht brennt in den Augen. Das erste, dass wir sehen ist ein riesiger Palast und ein Starbucks Cafe mitten in einer Einkaufstraße, am Boden ein Bettler.

Die Anfänge der Industrialisierung lassen sich kaum besser nachempfinden als in Edinburgh; die Gebäude stammen hauptsächlich aus dem 18 Jhd, sind von Feinstaub verdunkelt, angrenzend etliche Kirchen und Regierungsgebäude.

Über Stufen gelangt man hinab zu einem großen Park mitten im Zentrum. Gewaltige Bäume, hohes Gras an den Hängen und wuchernde Sträucher.

Für mich die bisher schönste Stadt Europas.

Samstag, 5. Juni 2010

Donnerstag, 3. Juni 2010

Southern Uplands




Newcastle mit seinen an der Küste wie Perlen aufgefädelten Backstein-Häusern, kreischenden Möwen-Schwärmen und vor Anker liegenden Booten, sieht aus, als wäre es einem englischen Schullehrbuch entsprungen. Nach einigen linksverkehrbedingten Irrwegen gelangten wir ins Zentrum, verweilten jedoch nur um unsere Einkäufe zu erledigen und brachen anschließend in Richtung Schottland auf. Die hügelige Landschaft schmiegte sich an beide Seiten der Straße, saftige Wiesen, zahlreiche Schafherden, kreischend blauer Himmel. Dazwischen kleine Dörfchen mit Häusern aus Stein, verspielte Schlösschen und blühende Büsche. Gegen Norden wird die Landschaft gewaltiger, die Berge höher und die Siedlungen verstreuter. Dann endlich breitet sich die Hauptstadt Schottlands wie ein Fächer vor unseren Augen auf: unweit des Stadtrandes ein Berg, der ebensogut im Wilden Westen stehen könnte und Edinburgh – düster, geheimnisvoll und imposant.


Mal anders






Angekommen in Hamburg und den Schock noch nicht ganz verdaut besuchten wir die Reeperbahn, tranken ordentlich und vergnügten uns den restlichen Tag mit den zahllosen Prostituierten.

Nein. Wir kamen in der edlen Hansestadt abends an, fuhren ins Zentrum, parkten, und spazierten die Elbe (danke Anna) entlang Richtung Bahnhof. Dort angekommen stürzten wir uns sogleich in einen gut sortierten Zeitschriften-Kiosk, bestaunten, das Österreich wahrlich überlegene Angebot -auch an qualitativen Magazinen- und versorgten uns mit lang ersehntem Lesestoff. Anschließend verließen wir Hamburg tatsächlich über die Reeperbahn, allerdings ohne zu trinken und auch ohne Begleitung.

Wir schliefen kurz vor Bremen auf einer Raststation.

Bremen ist ein kleines Städtchen, die Häuser sind mit äußerst viel Liebe zum Detail gebaut und für ihr Alter sehr gut erhalten. Als wir durch die Altstadt schlenderten, musste ich seltsamerweiße immer an Lebkuchen und kleine Zwerge denken, weshalb Bremen für mich ein märchenhafter Ort ist und das „Stadtmusikantenflair“ durch und durch ausstrahlt.

Nach eineinhalb Stunden Fahrt und einem Zwischenstopp in Groningen, gelangten wir nach Amsterdam. Die Schwierigkeit bestand darin eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Amsterdam ist dicht bebaut, von Kanälen durchzogen und nicht umsonst eine Fahrrad-Hochburg. Mit unserem Ungetüm hier einen unauffälligen Schlafplatz zu finden war unmöglich - ganz abgesehen davon kostet eine Stunde Parken ca. 3 EUR. Da unser Aufenthalt gerade noch in die Nebensaison fiel, konnten wir preislich einen zentralen Campingplatz verkraften (Camping Zeeburg 21€ inkl. Strom und Wifi). Erstaunlicher Weise erinnerten wir uns, dank unseres Aufenthaltes vor immerhin zwei Jahren an vieles, somit wurden die üblichen Touristenattraktionen ausgelassen und wir sahen uns abseits des Trubels um. Nach dem vierten Tag fuhren wir aufs Land und campten wieder wild, um die letzten Tage des Monats und gleichsam vor der Fähre, sparsam zu überbrücken.

Die grüne Insel

Gestern sind wir nach einer harten Nacht (die teuerste Fähre bisher und trotzdem sehr unkomfortabel, da laut) in Newcastle upon Tyne angekommen und schon von weitem sahen wir die berüchtigten Felsschluchten am Horizont ins Meer ragen. Der Grenzübergang funktionierte überraschend schnell. Weniger schnell gelingt es mir, mich an den Linksverkehr zu gewöhnen. Das Einfahren und verlassen von Kreisverkehren, das Auffahren auf Autobahnen, das Abbiegen auf Kreuzungen – alles das muss nicht neu erlernt, aber umgedacht werden. Ebenso Unvorteilhaft ist es, mit einem für den Rechtsverkehr entworfenen Fahrzeug, unterwegs zu sein: Beim Auffahren auf Autobahnen ist der Totewinkel gefährlich groß - vorallem ohne „mittleren Rückspiegel“ohne Beifahrer nicht zu empfehlen.


Kulturschock






Nach einer Woche im Hippie-Paradies, brachen wir nach Amsterdam auf. Die Fähre nach Newcastle upon Tyne würde am 1. Juni im nahegelegenen Hafen von Ijmuiden auslaufen (ein Hafen übrigens, dessen Anblick von zur See fahrenden Männern träumen lässt, die, zwischen der Ankunft ihres einen Schiffes und der Abfahrt des nächsten, im Zwielicht der Hafen-Spelunken, von den Frauen träumen, deren eintätowierte Namen auf ihren arbeitsgestählten Oberarmen von der Vergänglichkeit der Liebe zeugen. Und irgendwo in einer der leeren, dunklen Seitengassen hört man die sanften Töne eines Saxophons und in den Klangteppich der Musik webt sich der ganze Schmerz dieser einsamen Seelen, weben sich alle Klagen der Welt). Da Dänemark neben kultureller Vielfalt, auch landschaftlich viel zu bieten hat, machten wir uns auf den Weg zu der Insel Romo (etwas nördlich von Sylt und daher schon bedrohlich nahe an Deutschland). Auf die kleine Insel führte eine schmale Straße, gesäumt von Wattmeer. Das andere Ende des Eilands war schnell erreicht und mit ihm ein beeindruckend, weitläufiger Strand, surreal in seiner wüstenhaften Gestalt. Nach einigem Zögern (man erinnere sich an unser doch etwas traumatisches Erlebnis in Griechenland) wagten wir mit unserem Auto einen engen Durchgang zwischen den Dünen zu passieren, der von der asphaltierten Straße auf eine 1 km breite und mehrere Kilometer lange, durch die Ebbe freigelegte Fläche führte. Am Boden zeichneten sich kreisförmige Drift-Spuren ab, die herumstehenden Geländewagen wirken wie die Überreste einer Rallye. Wohnmobile und ferne Gestalten, die Drachen steigen ließen und dazu die untergehende Sonne. Dieses Idyll würde bald gestört werden. In der um sich greifenden Dunkelheit, suchten wir nach einem Campingplatz – auf diesem übersichtlichen Fleckchen Erde wild zu übernachten, schien uns zu riskant, da auffällig. Der erste Campingplatz hatte etwas von einem Staatsgefängnis: dicke Mauern, etliche Securities mit Schlagstöcken, sogar einen verirrten Polizisten fanden wir vor. Dazu Horden grölender, besoffener Deutscher – seit langem der erste Kontakt mit unserer Muttersprache. Wie traurig. So schön kann es sein nichts zu verstehen. Alles war ausgebucht und fast waren wir froh darüber, dann die Erklärung für diesen Auflauf – Pfingstferien (die hatten wir in unserer Urlaubsendlosschleife ganz übersehen). Nach kurzer Fahrt gelangten wir zu dem zweiten und letzten Campingplatz auf der Insel. Auch hier alles voll, aber für „gnädige“ 15 EUR durften wir am Parkplatz vor der Eingangshalle übernachten und natürlich auch die Sanitäranlagen benutzen. Das Publikum hier unterschied sich nicht sonderlich von unserer ersten Begegnung der dritten Art: deutsche Flaggen, Trottelmusik und Partystimmung. Am nächsten Tag bleiche Gesichter und trotzdem knallten die Korken auf ein Neues. Froh dem Ganzen zu entfliehen machten wir uns wieder auf unseren Weg. Nächster Halt: Hamburg.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Eine Woche Christiania






Die letzte Woche haben wir in Christiania verbracht. Ein circa 34ha großes Gebiet –ursprünglich Gelände des Militärs- Kopenhagens wurde 1972 von rund 20000 Alternativen besetzt und zu einer Freistadt ausgerufen. 900 Einwohner zählt das Dorf heute. Die Kommune agiert basisdemokratisch und weitestgehend unabhängig von der dänischen Regierung: Beispielsweiße ist der Konsum von Cannabis in Christiania, anders als im Rest Dänemarks, legalisiert. Die eigenständig geregelte Mülltrennung, Straßenreinigung und die hervorragende Kinderbetreuung (4 Kindergärten) veranschaulichen die Autonomie des Gebietes. Die Freistadt finanziert ihre Projekte und anfallenden Kosten durch einen gemeinsamen Fond, der zum Großteil für Strom- und Wasserversorgung (jeder in Christiana zahlt gleich viel für Strom und Wasser in den Fond ein), aber eben auch für soziale Vorhaben gedacht ist.

Dieses individualistische Konzept äußert sich auch in der Architektur. Kein Bauamt, dass es verbieten würde ein Haus in UFO-Form zu errichten, oder die gesamte Front des Hauses mit kleinen Fenstern und eingefügten Glastüren zu gestalten.

Da das gesamte Gebiet motorenfrei ist, parkten wir direkt ans Areal angrenzend. Dort standen unzählige andere Wohnmobile, die sicherlich schon länger nicht mehr bewegt wurden –wir fühlten uns sicher (trotz Campingverbot in Dänemark). Wir konnten endlich mal wieder in Ruhe bis Mittag entspannen,lesen, machten uns Cafe und spazierten durch Christiania. Das Gelände ist größtenteils grün, es gibt kaum asphaltierte Wege, in der Mitte ein See. Man könnte glauben, dass man sich in einem kleinen Märchenland aufhält. Der einzige Wehrmutstropfen ist der Müll, den die jährlich rund 1 Million Besucher auf den höher frequentierten Orten hinterlassen.

Im Zentrum befinden sich viele Cafés und Bars, ein vegetarisches Restaurant, ein kleiner Baumarkt und der Supermarkt.

Es wirkte als würde das System ganz gut funktionieren. Natürlich ist die Autonomie eines solchen Gebietes extrem eingeschränkt, aber es war trotzdem überraschend, dass solch positive Zugeständnisse erreicht oder zumindest erkämpft werden können.




Die Überfahrt ins Königreich





Viel Zeit ist vergangen seit dem letzten Blogeintrag…. Nach unserer Rückkehr aus Sankt Petersburg – diesmal hatten wir eine unbequeme Nacht in den 6er Kabinen verbracht (vor unserer Hinreise hatten wir, dank der immerwährenden Helligkeit, zuvor durchgemacht und schliefen um 20h tief und fest ein) – gingen wir zu Fuß den Weg vom Hafen ins Zentrum von Helsinki, das uns nach unserem langen Aufenthalt schon recht vertraut war. Es war frühmorgens, ein Feiertag und die Straßen nebelverhangen und menschenleer. Im Zentrum kam uns eine Menschengruppe entgegen, wiedermal trugen alle ihr weißes Käppchen und machten anlässlich Christi Himmelfahrt einen Umzug durch die Stadt. Unser Auto hatten wir am Stadtrand von Helsinki geparkt und mussten den Weg mit der U-Bahn, die unseres Erachtens eigentlich eine Schnellbahn war, zurücklegen. Zuvor hatten wir noch die beiden Sportler getroffen. Das Auto ist so schnell angesprungen, wie lange zuvor nicht und hat sich anscheinend über unsere Rückkehr gefreut. Bis unsere Fähre nach Stockholm startete hatten wir noch fünf Stunden, die wir damit verbrachten unseren Blog zu aktualisieren und Essen aufzutreiben.

Um 19h startete die Fähre. Die ersten Freuden erlebten wir beim Check-in. Wir hatten zuvor ein kleines Upgrade bei den Kabinen durchführen lassen – nicht mehr die billigste Kategorie unter dem Autodeck, wie auf der russischen Fähre, sondern um 16 Eur eine bessere Kategorie – und uns wurden Kabinen auf Deck 9, was ziemlich hoch oben ist, zugeteilt. Gleichzeitig mit den Boardingcards wurde uns ein Programmheft mit dem Angebot der Fähre ausgehändigt. Der Inhalt bescheinigte uns hier auf dem ersten Dampfer unserer Reise gelandet zu sein, der dem Kreuzfahrtflair zumindest nacheifert. Ich spreche hier von einer Ausstattung, die sich wie der müde Traum einer jeden Familie anhört, in der Zuhause zu viel Zeit damit verbracht wird in hochglanzpolierten Magazine den Society-Teil zu lesen: die obligatorische Einkaufspassage mit Bars und Läden, ein Casino – in Finnland sehr beliebt oder auch einfach nur nicht kriminalisiert (ich weiß es nicht) sind Spielautomaten - ein Wellnessbereich mit Sauna und verglastem Schwimmbad am obersten Deck , eine Bar für gediegenes, eine Disko und Playstationspielhalle für junges Publikum. Ich war natürlich begeistert auf so einem interessanten Schiff gelandet zu sein – die anderen Fähren hatten gar kein Programm. Mit einem Gläschen Sekt zum Einstand um 6 EUR (kleine Flasche und Plastikglas) winkten wir Helsinki „Baba“ und machten uns auf den Weg das Schiff zu erkunden. Anscheinend sind Fähren eine der letzten Bastionen, die bisher nicht vom legeren Wind der Zeit umweht werden. Die Preise sind horrend, die Leute, wenn auch nicht immer gut, so durchwegs ordentlich gekleidet und es wird krampfhaft versucht eine Art Aura des Luxus zu entfachen, die zumindest den flüchtigen Blick überdauern und ihm standhalten soll. In der Disko tummelten sich junge Mädchen und Jungs, die darauf bedacht waren besonders cool auszusehen, auch eine Männergruppe und zwei Singlefrauen in ähnlichem Alter fanden sich, die Männer wagten aber keine Annäherungsversuche –niemand wollte sich vor den acht anderen blamieren - und so blieb es bei einem kurzen Paarungstanz. Nebenan saßen die jüngeren Buben, die sich noch nicht für Diskomädels zu interessieren schienen und spielten mit der Playstation. Kein einziges Mädchen war darunter, nur ein geduldiger Vater, der gelangweilt und milde lächelnd auf seinen Sohn wartete. Die interessanten Spiele waren nicht mehr frei und würden die restliche Nacht wahrscheinlich nicht mehr frei werden. Der Wellnessbereich war teuer (8 EUR), klein und übervölkert. In der unteren Bar ging es romantischer zu, ältere Ehepaare schunkelten zu Evergreens und die wilden Paare tanzten sogar zu Cher. So schlängelten wir uns durch die kleine Dampferstadt, sahen eine schöne Eröffnungsseiltanzshow und landeten ein paar Stunden später bei der Mitternachtseinlage, die erfreulicherweise eine Travestie-Show war. Danach zogen wir uns in unsere kleine 2er Kabine zurück und schliefen zu den dröhnenden Bässen der Disko ein.

In Stockholm angekommen wurde vom Zoll als erstes eine Alkoholkontrolle durchgeführt. „Um die ganzen Russen auszusortieren, die gestern auf der Fähre zuviel gesoffen haben“, sagte mein Freund lachend. Wir durften unbehelligt weiterfahren. Stockholm ist eine sehr schöne Königsstadt und hat eine hinreißende Architektur. Am Hafen sind viele Hausboote vor Anker und die verschiedenen Ebenen, auf denen die Straßen im Zentrum verlaufen, bringen Fahrvergnügen. Das Parken ist sehr teuer, aber da wir nur einen Tag hier bleiben wollten, nahmen wir das in Kauf und fuhren dazu nicht an den Stadtrand. Bei Kaffee und Kuchen lernten wir den Konflikt, den die Finnen mit den Schweden austragen, besser verstehen, stand doch auf der Speisekarte eine Selbsthuldigung von Stockholm als der wahren und einzigen Hauptstadt Skandinaviens mitsamt einer Auflistung diffuser Gründe, die diesen Anspruch untermauern sollten (wie zum Beispiel ein gut funktionierendes Straßennetz). Trotzdem hat mir Stockholm im Vergleich zu Helsinki besser gefallen. Die Stadt ist größer und sehr anmutig und die Menschen waren bunter und individueller gekleidet. Wir passierten einen wunderschön blühenden Park, indem viele Familien verweilten und irgendwie schien es an diesem Tag als wäre ganz Stockholm voll von Kindern. Ob dies nur ein individueller Eindruck war oder tatsächlich auf die intelligente Kinderpolitik zurückzuführen ist, wurde bisher noch nicht recherchiert und bleibt daher an dieser Stelle ungelöst.

Gegenstimmen gibt es aber anscheinend auch hier und so hatte eine Gruppe Andersgesinnter mit grünen Clown-nasen, die mit übererregter Stimme ihr Anliegen den Sozialstaat zu kürzen in Bars vortrugen, zwar das richtige Outfit gewählt, aber das war´s dann auch schon.

Allgemein ist zu sagen, dass ich mich, als großer Fan des Südens, hier in Skandinavien sehr wohl gefühlt habe. Von der angeblichen Kühle der Menschen im Norden habe ich nichts gemerkt. Im Gegenteil scheint es als wären die Leute ausgeglichener, in sich ruhend und deswegen vielleicht allgemein ruhiger, aber jederzeit zur Kontaktaufnahme bereit. Auch die Offenheit und Vorurteilslosigkeit gegenüber Fremden, die ich hier erlebt habe, ist bemerkenswert. Auf Äußerlichkeiten wird vielleicht bei sich selbst wertgelegt, nicht aber bei der Beurteilung Anderer. Ich hatte das Gefühl, dass die Menschen hier rücksichtsvoller sind als in Österreich, sei es beim Autofahren oder bei anderen zwischenmenschlichen Begegnungen. Die Eltern sind geduldig und ruhig mit ihren Kindern. Als ich einer Frau mit Kinderwagen die Tür aufgehalten habe, war ich kurz vor den Kopf gestoßen, da sich diese bei mir nicht einmal bedankte. (Und auch jetzt schreibe ich „nicht einmal“! Was soll sie den sonst noch alles tun?) Für Wiener Mütter ist es ja üblich sich aus falscher Verpflichtung in einer Dankestirade zu ergießen, wenn man sie nicht beim Einsteigen weggerammt hat oder gar gnädigster Weise die Tür aufhält. Hier nicht einmal ein Wort. Da wird dann schon mal kurz am Ego gekratzt „jetzt war ich so freundlich und dann – werde ich nicht einmal belohnt“… und nach weiterer Beobachtung und anderen Situationen stelle ich fest: niemand bedankt sich, weil es hier offensichtlich völlig normal ist, sich nicht wie ein rücksichtsloser Arsch zu verhalten und deswegen keine Orden vergeben werden.

Ich will nicht verallgemeinern und die nordische Klarheit kann (auch optisch) anstrengend sein, weil manchmal das Ungeordnete, Bunte, Schräge fehlt, aber dies war mein Eindruck und - wie bereits gesagt - habe ich mich hier sehr wohl gefühlt.

Auf der Fahrt von Stockholm nach Kopenhagen konnten wir die liebliche, südschwedische Landschaft bewundern. Weiter im Norden ist sie rauer, gleich Finnland und viele Nadelbäume säumen die steinigen, moosbewachsenen Ebenen und Hügel. Man weiß sofort warum hier die Trolle leben. Nun wurde alles wieder gewohnter. Saftige Wiesen und viele Schwarz-weiß gefleckte Kuhherden. Plötzlich unser langersehnter Elch am eingezäunten Straßenrand – leider ohne Geweih J Mit einem nächtlichen Zwischenstopp passierten wir Schweden und den kleineren Vättern See und befuhren eine hohe Brücke übers Meer nach Dänemark, um noch am selben Tag in Kopenhagen anzukommen.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Geplante Route

White Nights



Sonnenuntergang um 22h - auf der Fähre von St.Petersburg nach Helsinki.





St. Petersburg

Um 19 Uhr wurden wir auf der Princess Mary durch ein Geige und Gitarre spielendes Duo, am vierten Deck, willkommen geheißen. Unser Ziel war das zweite Deck unter den Autos; also dort wo das Wasser zuerst einbricht und die Schleusen im Notfall den Rest vom Schiff trennen. Die St. Peter Line kaufte ein ausrangiertes Schiff der DSDF Fährgesellschaft, welche unter anderem zwischen Amsterdam und Newcastle verkehrt, das anscheinend nicht mehr den europäischen, sehr wohl aber dem russischen Standard genügt. An Board der Fähre gab es die üblichen Konsumdecks, einen „Supermarkt“ mit jeder Menge Alkohol und Kleidung, ein a la carte Restaurant, ein Buffet und ein Kasino.

Zum zweiten Stock: Die Vierer-Kabinen, in denen weibliche und männliche Fährgäste getrennt voneinander untergebracht sind, waren ok –ähnlich den Schlafkabinen in Zügen. In jeder Kabine gab es eine eigene Toilette und Dusche. In meiner Kabine waren wir zu dritt. Mit mir reisten zwei Kubaner, die vor fünfzehn Jahren in die USA (Miami) geflüchtet waren und zu der Weltmeisterschaft in Taekwondo für körperlich Benachteiligte unterwegs waren. Sie mussten die Anreise selbst bezahlen –nur das Hotel wurde vom Verband, der erst seit kurzem besteht, bezahlt. Da ich am Vorabend nur wenig geschlafen hatte, ging ich relativ früh zu Bett und wurde am Morgen von den beiden Mitreisenden geweckt.

Die Einreise nach Russland funktionierte relativ reibungslos. Mein Pass, der schon etwas mitgenommen ist –weil mitgewaschen und dummerweise vor Reisebeginn nicht erneuert- wurde zwar sehr genau begutachtet, aber nach ca. 10 min. waren wir mit unserer Migrantenkarte ausgestattet und durften die Grenze überschreiten.

Vorm Hafen warteten wir auf das Eintreffen des City-Tour Buses, der seinen Namen allerdings nicht verdient hat; vielmehr ist es der Transport vom Hafen in die Innenstadt und wurde uns von der russischen Regierung für 15 EUR als Visa-Bedingung aufs Auge gedrückt.

Die Innenstadt war noch mit Fahnen und Plakaten der Feierlichkeiten des 9.Mai (der Sieg über Hitlerdeutschland –man hörte von den Feierlichkeiten in Moskau) geschmückt und schon bei der Einreise sehr imposant, riesige klassizistische Gebäude und Denkmäler, vergoldete Dächer, der Nationalstolz dieser Nation ist allgegenwärtig; sogar die U-Bahnstationen sind beeindruckend ausgestaltet, mit Gold verziert und eine Besichtigung wert.

Angekommen im Zentrum gingen wir zu unserem Hotel um einzuchecken und unsere Rucksäcke abzulegen. Das Hotel verdient ein außerordentliches Lob. Es war kein klassisches Systemhotel, sondern ein Familienbetrieb. Das Personal war sehr freundlich und bemüht, die Zimmer mit Liebe zum Detail ausgestattet.

Nachdem wir das Hotel bezogen hatten, gingen wir wieder zum Nevski Prospekt - dem Herzen der Stadt. Nach einem kurzem Snack (russische Suppe: Borsch und ein Crepe gefüllt mit Lachs) buchten wir eine richtige Bus-City-Tour, die 2 ½ Stunden dauerte und sehr gut aufgebaut war. Die Hintergrundinfos waren interessant und die Informationsflut wurde durch nette Geschichten aufgelockert.

Anschließend wollten wir die Kirche „Savior Blood“ innen besichtigen, mit der Studentenermäßigung wäre es nicht allzu teuer gewesen - 250 Rubel (etwas mehr wie 5€) - allerdings kamen wir erst knapp nach 18:00 Uhr an und hätten bereits den normalen Preis von 500 Rubel pro Person zahlen müssen, somit haben wir uns gegen den Besuch der Kathedrale entschlossen (die am nächsten Tag leider geschlossen war).

Die Nächte in St. Petersburg werden zu dieser Jahreszeit aufgrund der vielen Sonnenstunden „Weiße Nächte“ genannt. Um 22:30 wird es dann langsam dünkler. Viele der Geschäfte besonders Supermärkte haben rund um die Uhr offen.

Überrascht wurde unser Versuch Traditionelles nachzuahmen aufgenommen; als wir eine Bar aufsuchten, um 4 Stamperl Wodka zu trinken, lächelte man uns verdutzt an, nachdem wir auf die Frage: „Wollt ihr nicht einen zusätzlichen Fruchtsaft?“ mit „Nein“ geantwortet hatten.

Am nächsten Tag wanderten wir durch die Stadt. Die Sonne schien, es war warm und wir beladen. Ich trug einen 5 Liter Kanister (Trinkwasser für die Reise) und den Kleiderschrank meiner Freundin am Rücken, bis wir um 19:00 Uhr wieder auf die Princess Maria eincheckten. Nach Ankunft in Helsinki begegnete ich abermals den beiden Sportlern, welche in der Zwischenzeit die Silber-Medaille gewonnen hatten!