Nach einer Woche im Hippie-Paradies, brachen wir nach Amsterdam auf. Die Fähre nach Newcastle upon Tyne würde am 1. Juni im nahegelegenen Hafen von Ijmuiden auslaufen (ein Hafen übrigens, dessen Anblick von zur See fahrenden Männern träumen lässt, die, zwischen der Ankunft ihres einen Schiffes und der Abfahrt des nächsten, im Zwielicht der Hafen-Spelunken, von den Frauen träumen, deren eintätowierte Namen auf ihren arbeitsgestählten Oberarmen von der Vergänglichkeit der Liebe zeugen. Und irgendwo in einer der leeren, dunklen Seitengassen hört man die sanften Töne eines Saxophons und in den Klangteppich der Musik webt sich der ganze Schmerz dieser einsamen Seelen, weben sich alle Klagen der Welt). Da Dänemark neben kultureller Vielfalt, auch landschaftlich viel zu bieten hat, machten wir uns auf den Weg zu der Insel Romo (etwas nördlich von Sylt und daher schon bedrohlich nahe an Deutschland). Auf die kleine Insel führte eine schmale Straße, gesäumt von Wattmeer. Das andere Ende des Eilands war schnell erreicht und mit ihm ein beeindruckend, weitläufiger Strand, surreal in seiner wüstenhaften Gestalt. Nach einigem Zögern (man erinnere sich an unser doch etwas traumatisches Erlebnis in Griechenland) wagten wir mit unserem Auto einen engen Durchgang zwischen den Dünen zu passieren, der von der asphaltierten Straße auf eine 1 km breite und mehrere Kilometer lange, durch die Ebbe freigelegte Fläche führte. Am Boden zeichneten sich kreisförmige Drift-Spuren ab, die herumstehenden Geländewagen wirken wie die Überreste einer Rallye. Wohnmobile und ferne Gestalten, die Drachen steigen ließen und dazu die untergehende Sonne. Dieses Idyll würde bald gestört werden. In der um sich greifenden Dunkelheit, suchten wir nach einem Campingplatz – auf diesem übersichtlichen Fleckchen Erde wild zu übernachten, schien uns zu riskant, da auffällig. Der erste Campingplatz hatte etwas von einem Staatsgefängnis: dicke Mauern, etliche Securities mit Schlagstöcken, sogar einen verirrten Polizisten fanden wir vor. Dazu Horden grölender, besoffener Deutscher – seit langem der erste Kontakt mit unserer Muttersprache. Wie traurig. So schön kann es sein nichts zu verstehen. Alles war ausgebucht und fast waren wir froh darüber, dann die Erklärung für diesen Auflauf – Pfingstferien (die hatten wir in unserer Urlaubsendlosschleife ganz übersehen). Nach kurzer Fahrt gelangten wir zu dem zweiten und letzten Campingplatz auf der Insel. Auch hier alles voll, aber für „gnädige“ 15 EUR durften wir am Parkplatz vor der Eingangshalle übernachten und natürlich auch die Sanitäranlagen benutzen. Das Publikum hier unterschied sich nicht sonderlich von unserer ersten Begegnung der dritten Art: deutsche Flaggen, Trottelmusik und Partystimmung. Am nächsten Tag bleiche Gesichter und trotzdem knallten die Korken auf ein Neues. Froh dem Ganzen zu entfliehen machten wir uns wieder auf unseren Weg. Nächster Halt: Hamburg.
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